Laterne Ost

 

Bereits vor der ersten Begehung des Bauplatzes war anhand der Situation zu erahnen, dass dieser Ort in Unterägeri eine besondere Rolle spielt. Nicht nur die zentrale Lage, in der Nähe des Dorfplatzes, sondern bereits die besondere Abwicklung des Hauses mit seinen Aus- und Einbuchtungen zeigten wie sehr dieses Haus durch die Geschichte, durch seine Nachbarschaften und Beziehungen gestaltet wurde. Ein ‚vielseitiges‘ Konglomerat aus mehreren Häusern, aus vielen Richtungen und Fassaden, die kleine Plätze und Zwischenräume bilden. 

Später, beim Besuch des Dorfes wirkte der Ort in der hinteren Reihe, abseits der vielbefahrenen Durchgangsstrasse, unerwartet still und ruhig.  Obwohl die nördlichen Nachbarn heute teils fahle Rückseiten zeigen und die eigentlich schönen Zwischenräume zunehmends zu Parkplätzen verkommen, bemerkt man doch die seit langem angelegten, aussenräumlichen Qualitäten, die Beziehung der Häuser aufeinander. Vor allem die Lorze, strassenseitig von grossen Bäumen gesäumt, stimmt den Ort besonders, ja idyllisch. 

 

Innen Laterne

 

Die Häuser auf der gegenüberlegenden Seite der Lorze sind bereits um einiges höher als der Bestand auf unserer Seite gebaut. Die Entwicklung geht auch im Dorfkern weiter. Die heutigen Häuser sind keine Strickbauten mehr für Selbstversorger und einzelne Familien, sondern mehrstöckige Mietshäuser für unterschiedliche Parteien. Auch unser Haus wird höher, steht auf einem betonierten Sockel und wendet sich offen allen Himmelsrichtungen zu. Auf Balkone und Loggien muss wegen des Baureglements verzichtet werden. Eine Art 'Laterne' mit Rankgerüst übernimmt diese Aufgabe. Es ordnet das Haus ein, gibt ihm Orientierung und vermittelt den Höhenmassstab am Übergang zu den weniger hohen Nachbarbauten. Ein bisschen scheint es so als würde das Haus in die Nachbarschaft grüssen. 

 

Eingang Norden

 

Fussgänger aus dem Quartier kürzen über das Brücklein den Weg ins Dorfzentrum ab. Kinder spielen hier. Es gilt den Ort weiter zu beleben, weiter zu stärken, Angebote zu schaffen. Eine Weide, ein Natursteinbrunnen, lange massive Bänke am Eingang. 

Innen Erdgeschoss

 

Das Zentrum der Wohnungen besetzt jeweils eine sehr grosszügige Essküche. Die Räume orientieren sich in der Diagonale vom Eingang über den Küchenblock bis zur hellen Laterne. Sie ist nicht nur Loggiaersatz und Stube, sondern auch hilfreich um auf Gauben oder andere Dachöffnungen verzichten zu können. Im Dorfzentrum gibt es bereits das Türmlihus, das uns die Türe zu dieser besonderen Lösung öffnete.

Studien zeigten, dass die Nutzung des Wohnzimmers kaum den oft grossen Flächenverbrauch rechtfertigt. Vor allem die Küche, als 'Kommandozentrale' ist weitaus wichtiger und hoch frequentierter Ort in einer Familienwohnungen. Wir kombinieren daher die grosse Essküche mit einer Sofaecke zu Lasten einer nun etwas kleineren Stube. Das Haus zudem als vertikalen Strickbau zu denken, den Rohbau bereits als Ausbau zu belassen, also auf Trockenbau und Putzflächen zu verzichten, sorgt ebenfalls dafür, dass eher mittelständisches Klientel angesprochen wird. Holz und Beton prägen den Ausdruck. Farbige Fenster und Türen stimmen die Atmosphäre unkonventionell. 

 

Grundriss 

--

Auftrag nach privatem Einladungsverfahren: Mehrfamilienhaus in Unterägeri, Projektleitung Bauprojekt und Ausführung Reto Fuchs, Mitarbeit Entwurf: Stephanie Stratmann, Bauleitung durch Widmer und Partner Ag, Zug

Selektion aktuell

  • Sigristenhaus Illgau 1604 (2016 Apr)

    Fragestellung, Identität Wir verstehen das uns abgegebene...

  • Ton Steine Scherben 1506 (2015 Jun)

     « So besehen gehören Krematorien zu den anspruchsvollsten...

  • Frohsinn 1501 (2015 Jan)

      Bereits vor der ersten Begehung des Bauplatzes war anhand der...

  • Kleines Haus Gall 1407 (2014 Jul)

    Das derzeitig unbebaute Grundstück lässt die südliche Spitze der...

  • Graphis Siedlung 1308 (2013 Aug)

    «Es ist das Haptische des Holzes, die Reduktion in der...

  • Aemtler Betreuung 1307 (2013 Jul)

    Ausgangslage.Intention Wir sehen dreigeschossige, hell...