«Es ist das Haptische des Holzes, die Reduktion in der Ausführung, das Grobe im Ergebnis...Der Zufalle spielt auch eine Rolle. Oft will das Holz nicht so wie ich will. Dem muss ich mich anpassen.»

Künstler Juergen Küster zum Holzschnitt.
 
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So beschreibt der Künstler Juergen Küster seine Begeisterung für den Holzschnitt. Die gerichteten Fasern der hölzernen Trägerplatten widersetzen sich so manchem Stich des Beitels. Dies führt zu eigentümlichen und gleichermassen erstaunlichen Qualitäten. In so mancher Hinsicht unternimmt unser Vorschlag eine ähnliche Herangehens- und Sichtweise. Der Arbeitstitel des Beitrages lautet daher: XYLOGRAPH, der ins Holz schreibende, Holzschnitt

Städtebauliche Ausgangslage. Körnung Das fast ungenutzte und bestimmte Abstandsgrün der bestehenden Siedlung wird zu einer kräftigen, identitätsstiftenden Grossform umgebaut. Eine neue Parkanlage verortet nun die kleinteilige Struktur aus Ein- und Mehrfamilienhäusern der Umgebung. Es wird ein kraftvoller Raum geschaffen, der die Strukturen nicht sprengt, sondern neu gewichtet, ordnet und hierarchisiert. Der neue Park bringt nicht nur den Genossenschaftern mehr räumlichen Atem, er wird auch geographischer Fixpunkt für weitere Teile der Siedlung.

Spangen-Rotterdam

Unser Vorschlag säumt die Pilatus- und Grabenstrasse mit viergeschossigen Bauten. Die Grossform wird durch Versätze gebrochen und rythmisiert. Dreigeschossige Bauten bilden Eingangshöfe indem sie aus der Strassenflucht zurückversetzt sind. Sie korrespondieren mit der Umgebung, vermitteln durch den kleineren Massstab. Die Lauben unterstützen diese Wirkung und prägen die halbprivate Atmosphäre der kleinen Höfe. 

Palle

 

Sichtbeziehungen Zwischen den polygonalen Querseiten der Häusern liegen offene Treppenhäuser. Dadurch wird die Anlage, anders als bei rechtwinkligen Bauten, offener, durchsichtiger. Es entstehen räumliche Beziehungen über mehrere Reihen von Parzellen hinweg. Der für die kleinkörnige Siedlung typische grossräumliche Zusammenhang bleibt wirksam. 

Begegnung.Genossenschaft Es gibt verschiedene Kategorien von Räumen der Gemeinschaft. Die Erschliessungshöfe sind begrünt, an den Hauswänden stehen Sitzbänke (gelb). An der offenen Ecke der Graben- und Pilatusstrasse steht ein Brunnen. Manchmal wird der Hof als Vorplatz für den Gemeinschaftsraum genutzt. Angeschlossen an diese Halbhöfe sind offene Treppen und begrünte Lauben. (grün). Man stoppt für einen kleinen Schwatz, einen kurzen Gruss. Dahinter, im Hof, bilden die Bauten Nischenräume die von Baumgruppen durchsetzt sind. Kleine Holzzäune markieren die Eingänge über Gärtchen zu den Duplexwohnungen (orange). Den grössten und identitätsstiftenden Zusammenhang schafft der grosse Innenhof bzw. Park (rot). Er wird zur neuen Mitte der Genossenschaft, er wird aber auch von den gründerzeitlichen Bauten der Hauptstrasse über die Parzellengrenzen hinweg geformt. Die kleine Villa neben dem Hochhaus aus Backstein erhält endlich den Raum, der ihr schon lange zustehen sollte.

Grün Grundsätzlich liegen die polygonalen Häuser wie ihre Vorgänger im Grün. Die Wegverbindungen schaffen Übergänge bzw. Zwischenräume um Privates und Öffentliches zu trennen. Die Wege werden mit Polygonalplatten aus Granit gelegt. Es sind Trittplatten, die dazwischen das Gras durchwachsen lassen. Das Grüne der grossen Wiese bleibt überall spürbar.

Schnitt. Geländesprung Der Niveausprung bietet sich für zweigeschossige Wohnungen mit Gärtchen an. Die Nebenräume kommen an den Strassenseiten zu liegen. Dadurch entsteht in den Wohnungen auf elegante Weise ein Hochparterre zur Strasse und zum Innenhof. Hinzu kommt, dass die strassenseitigen Räume teilweise als Wohnungserweiterung genutzt werden können. Die kurze Distanz erlaubt es die Räume aber auch als Reduit mit Gefriertruhe zu nutzen.

TektonikDer Ausdruck des Hauses ist hölzern, grob und ‚zusammengesetzt’. Die massive Konstruktion aus Schotten und Decken wird gedämmt und mit groben, teils reliefierten, vertikalen Hölzern verkleidet. Stärkere Kanthölzer bilden Rahmen für die grobe Füllung. Sie rythmisieren die Fassade als filigranes Gitterwerk, das an den Hofseiten Laubengänge ausbildet.

Die betonierten Decken dieser Laubengänge mit hölzernen Staketen und Handlauf binden die Volumen der Grossform zusammen. Die Häuser wirken rural, erinnern vielleicht den einen oder anderen in ihrer Dimension an Scheunen. Die Teile der Fassade sollen zusammengesetzt wirken. Es soll keine monolithische Wirkung angestrebt werden. Die Fugen und Bauteilgrössen sorgen dafür, dass Referenzen zum kleinen Masstab, vielleicht zu laubenartigen Häusern und Schrebergärten näher liegen.

01_Sichtbeziehungen
02_Begegnung-Genossenschaft
03_Gruenraum
04_Schnitt
05_Schwitters
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Mitarbeit: Andreas Fankhauser

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