Dorfplatz Illgau

Fragestellung, Identität Wir verstehen das uns abgegebene Programm weniger als abzuarbeitende Bedingungen eines Wettbewerbes, um Räume für einen Landgasthof betriebsgerecht zu ordnen, sondern als Aufforderung, über die Identität von Illgau zu reflektieren und Antworten zu formulieren, was das zukünftige Dorfzentrum ausmachen könnte. Von was wird man erzählen oder gar schwärmen, hat man denn einmal den Ort besucht? Wir rücken die Fragen nach dem Charakteristischen, dem Wesen von Illgau ins Zentrum unseres Beitrages. Daher holt unser Vorschlag vielleicht etwas weiter aus als erwartet und formuliert Aspekte von Idylle. Vermutlich wurde unser Beitrag deshalb nicht rangiert.

Einzigartigkeit Wie machen wir das neue Sigristenhaus und den Dorfplatz einzigartig? Wie baut man ein solches Dorfzentrum, wenn die Produktionsbedingungen heutiger Bauten, montiert aus vorrangig industriellen Halbfertigteilen, zu immer austauschbareren Häusern führt? Grundlage der Identitätsbildung, so wie wir sie verstehen, ist zuallererst, die für jeden Landstrich unverwechselbare Landschaft. Landschaft und Klima waren schon immer Bedingungen für ganz unterschiedliche, vernakuläre Bautypen und Konstruktionen. Wir wissen, welche Merkmale Bauernhäuser im Kanton Schwyz und im Muotathal besitzen. Dort knüpfen wir an und denken weiter. Illgau bietet bekanntermassen ganz besondere landschaftliche Qualitäten, die wir mit unserem Eingriff wiederherstellen, aber auch neu prägen wollen. Wir wollen die Aussicht auf die umliegenden Berghänge, die Gruppierung um einen gemeinsamen Kirch- und Dorfplatz sowie das Tosen des wilden Bettbachs erfahrbar machen.

Dachaufsicht Kirche Sigristenhaus Illgau

Setzung Die alte Post und das Haus Hinterdorf standen eigentlich ganz gut an Platz und Strasse. Sie wendeten dem Bach aber den Rücken zu und standen zu nahe beieinander. Wir lösen das bisherige Konglomerat ins Malerische auf, formen gut ablesbare, ähnlich grosse Volumen, die sich im Verbund durch ihre Ähnlichkeit stärken. Wir übernehmen die Neigung und Traufhöhe des Sigristenhauses. Die Neubauten bleiben kleinteilig im Massstab, nah am Menschen. Dagegen bleibt die Kirche verhätlnismässig mächtig und in ihrer Stellung unbeeinträchtigt. Das Haus Hinterdorf dagegen wird stark redimensioniert. Wir drehen den Giebel, schieben ihn weit von der Strasse zurück. Das Haus ist nun recht klein, ein Nebengebäude, wie anno dazumal. So wird der Kopfteil des Sigristenhauses mit den jeweiligen Treppenaufgängen wieder gut sichtbar. 

Die gewünschte Terrasse auf dem Hochparterre lassen wir zu Gunsten eines lebendigen Strassenraumes ebenerdig. Dort trinkt man einen kurzen Cafè auf dem Weg zur Luftseilbahn, nimmt ein Handwerkerznüni oder Feierabendbier. Wir gewichten den Strassenraum höher als den betrieblichen Mehraufwand durch die etwa 10 Tritte. Die Säle bieten bei Bedarf zusätzliche kleine Terrassenplätze. Wir wissen, dass die Aussenbestuhlung mit den ersten Sonnenstrahlen bereits Besucher anzieht. 

Saal Sigristenhaus Illgau

Aussenbeziehung, Restaurant Wir teilen den grossen Saal in zwei kleinere auf. Wir drehen Sie so ab, dass sich nur deren Ecken verschneiden. Dennoch sind die Sichtachsen weit geöffnet. Die neuen Volumen konkurrenzieren so nicht das mächtige Kirchenschiff. Wir wollen keinen grossen Saal neben dem Krichensaal bauen. Die Säle alternieren in ihrer Ausrichtung. Eine Fassade bestimmt den Dorfplatz. Der zwischenliegende Saal richtet die Terrasse nach Norden zum Bettbach. Man mag denken, die Nordseite sei weniger attraktiv. Das stimmt so nicht. Sie wird attraktiv, weil wir auch eine Südseite bieten. So wie man gerne in der Sonne sitzt, wenn man auch einmal im Schatten liegen kann. Wer erkennt, wie schön Bergwände als Leinwand für die Sonne sein können, so wie es die japanische Baukultur kennt, versteht die von uns gesuchten Qualitäten. Das SIgristenhaus öffnet sich nun nach allen Seiten. Erst so wird es zum Leben kommen. 

Einbettung Es gib also keine Hinterseiten mehr. Alle Seiten werden bespielt. Im Sockelgeschoss befinden sich die Doppel- und Familienzimmer zum Bettbach, von aussen erschlossen. Die Kinder spielen im Flussbett, in den Gletschermühlen, oben sitzen die Eltern am Grillplatz. Die Museumsbar öffnet ein Eckfenstern und einen kleinen Sitzplatz zum Bettbach. Eine Treppe macht die optionale Sauna auch für Externe zugänglich. Vielleicht könnte in den Fels eine Wanne geschlagen werden, ähnlich einer Gletschermühle. Hier drin ist man dem Bettbach ganz nah, geschützt im Grün. 

Grundriss Sigristenhaus Illgau

Identität Wir bauen den Sockel und hölzernen Aufbau ähnlich dem Bestand. Ein scharfkantiger Betonsockel, gestockt und geschlämmt. Darüber liegt eine einfache Holzkonstruktion mit Zwischendämmung, darauf langsehnige, schmale Schindeln. Natürlich sind auch Verwandtschaften zu den Ställen der Gegend spürbar. Uns gefällt deren Reihung, die weit auskragenden Dachüberstände. Die neuen Bauten oszillieren zwischen ruraler Figur mit Lauben und zeitgenössisch, teils sakralem Ausdruck. Wir wollen nicht nur für das Vereins- und Gemeindeleben Illgaus bauen, sondern ein indentitatsstiftendes Dorfzentrum mit Strahlkraft für die Region. Ein Restaurant, eine Beiz ja schon, aber vor allem auch Klangräume für die Musik. Mit Täfer und Türen aus Vollholz konstruieren wir direkt und langlebig. Die Hölzer in den Hotelzimmern und den Sälen stimmen die Räume warm und gemütlich. Im Saal ist der Dachraum mit einem holzigen, textilen Geflecht gefasst. Damit konditionieren wir den Raum akustisch, wie atmosphärisch.

  • Illgau-Aussicht
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  • Illgau-Kirche
  • Illgau-Sigristenhaus
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Eingeladener Wettbewerb. Ohne Rangierung. Wir arbeiteten im Team mit Lauber Holzbau Ingenieure.

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