«servir et disparaître»

Die Wirkung des Hauses. Beinahe vernakular.

Das Haus Frohsinn in Unterägeri ist nun fertiggestellt. Zuletzt wurden der Brunnen vor dem Haus und das Familienwappen auf dem Dach montiert. Die Fotografien stammen wie immer von Rasmus Norlander. Dieses mal wollten wir die Fotografien um ein Experiment erweitern. Statt wie bisher Bilder mit erläuternden Texten zu ergänzen baten wir Benedikt Profanter das Haus aus seiner Sicht zu dokumentieren. Mittels Film und Interview zeigt er einen anderen Zugang zu unserer Arbeit bzw. zu unserem zweiten 'anonymen' Haus nach dem Kolinplatz. Das Interview in ganzer Länger ist hier zu finden.

 

  • 00 FROHSINN Weiterbauen
  • 01 FROHSINN Platz-Eingang
  • 02 FROHSINN Eingang-Laterne
  • 03 FROHSINN Garage-Abwuerfe
  • 04 FROHSINN Giebelfigur
  • 05 FROHSINN Lorze-Garten-Ost
  • 06 FROHSINN Lorze-Garten-West
  • 07 FROHSINN Turm-Lorze
  • I 01 FROHSINN Dachraum
  • I 02 FROHSINN Kehle-Innen
  • I 03 FROHSINN Kochen-Dach
  • I 04 FROHSINN Laterne-Dach-lang
  • I 05 FROHSINN Laterne-Dach
  • I 06 FROHSINN Eingangstuer
  • I 07 FROHSINN Kueche-Fenster
  • I 08 FROHSINN Alkoven-Fenster
  • I 09 FROHSINN Doppeltuer
  • 00 FROHSINN Weiterbauen
  • 01 FROHSINN Platz-Eingang
  • 02 FROHSINN Eingang-Laterne
  • 03 FROHSINN Garage-Abwuerfe
  • 04 FROHSINN Giebelfigur
  • 05 FROHSINN Lorze-Garten-Ost
  • 06 FROHSINN Lorze-Garten-West
  • 07 FROHSINN Turm-Lorze
  • I 01 FROHSINN Dachraum
  • I 02 FROHSINN Kehle-Innen
  • I 03 FROHSINN Kochen-Dach
  • I 04 FROHSINN Laterne-Dach-lang
  • I 05 FROHSINN Laterne-Dach
  • I 06 FROHSINN Eingangstuer
  • I 07 FROHSINN Kueche-Fenster
  • I 08 FROHSINN Alkoven-Fenster
  • I 09 FROHSINN Doppeltuer
 

In der Nachbarschaft war von Beginn weg klar das Haus als vertikalen Strickbau zu denken und mit dem Rohbau bereits den Ausbau zu bestimmen. Auf Trockenbau und Putzflächen wurde verzichtet. Das Material sollte unmittelbar wirken. Gebürstete Holzbohlen und Sichtbeton prägen den Ausdruck im Inneren. Farbige Fenster und raumhohe, rauh furnierte Türen stimmen die Atmosphäre unkonventionell. 

 

FROHSINN Alkoven

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Studien zeigen, dass die Nutzung des herkömmlichen Wohnzimmers kaum den oft grossen Flächenverbrauch rechtfertigt. Vor allem die Küche, als 'Kommandozentrale' ist weitaus wichtiger und hoch frequentierter Ort in Familienwohnungen. Wir kombinieren daher die grosse Essküche mit einer Sofaecke zu einem recht grossen Raumgefüge. Die Stube ist Erweiterung des Schlafzimmers, Lichtraum und Wintergarten gleichermassen. Es liegt in der erweiterten Diagonale von Eingang und Küchenblock.

 

Grundriss  

 

Eine Bildfolge mit 28 Bildern, die einen kleinen, exemplarischen Einblick in unsere Arbeitsweise gibt. Es zeigt wie breit wir den Entwurf abstützen wollen. Wie wir den Blickwinkel zu Gunsten eines gesamtheitlichen Bildes stets zu ändern versuchen.

  • 1 Ein Bild fällt mir in die Hände, ein Aquarell eines lokalen Künstlers, Habermacher Franz 'Unteraegeri Lorze'. Die Stimmung am Fluss mit den Booten gefällt mir. ‚Californication‘?

  • 2 Der Bestand mit dem ehemaligen Restaurant Frohsinn. Rückbau oder Umbau?

  • 3 Die Situation nach erfolgtem Rückbau. Eine kleine Brücke führt über die Lorze am Haus vorbei.

  • 4 Nach Baugesetz: Wir heben den Bestand um 3m auf einen Sockel. Maximal ausgenützt. No Design.

  • 5 In dem Kontext der Bauernhäuser im Dorfkern denken wir das System ‚Strickbau‘ anders weiter; mit vertikalen statt liegenden Bohlen. System Top-Wall.

  • 6 Einfach und günstig. Schnittholz aus Tannenbohlen, 10 x 20 cm. Sie tragen die Decken. Erste Stimmungsbilder. Ein rohes Haus.

  • 7 Schnitt duch den Bestand. Der Sockel greift kaum in den wenig tragfähigen Boden.

  • 8 Schnitt nach Baureglement. Ca. ein Stockwerk mehr wäre möglich.

  • 9 Schnitt ohne Baureglement. Das Erdgeschoss wird Hochparterre. Es liegt ca. 2 m über dem Terrain. Für den Ort, in diesem Kontext und im Überschwemmungsgebiet der Lorze ist das plausibel. 

  • 10 Auf der Suche nach schönen, alten Häusern, nach Referenzen, Stimmungen, nach einem Charakter durchstreifen wir das Dorf. Wir unternehmen viele Spaziergänge: Was macht Unterägeri aus. Was ist dessen Wesen?

  • 11 Ein Platz in Aix en Provence. Er begleitet mich schon lange. Auch Fernand Pouillon hat ihn schon abgezeichnet. Vielleicht schaffen meine Ecken am Haus ähnlich gute Plätze.

  • 12 Eines der typischen Häuser in der Nachbarschaft. Vom Bauernhaus zum Bürgerhaus. Einen Stock höher. Eine schnelle Collage in Photoshop. Die Proportionen sind immer noch gut, der Giebel wird stattlicher, das Haus. wirkt städtischer. 

  • 13 Sonnenstudien. Ein Bild für jede Stunde. Werden die Nachbarn verschattet? Wie sieht es mit der Strasse aus? Der Sonnenstand um 08:00 und um 17:00.

  • 14 Trotz der Sonnenstudie soll es ein Haus ohne Rücken im Norden werden. Das ist mir stets wichtig. Das Haus soll sich an keiner Stelle vom Dorf abwenden. Es soll nie ein ‚Hinten‘ geben.

  • 15 Es soll ein farbiges Haus werden, irgendwie geschuppt, geschindelt. Eternit, ähnlich wie Assemble Studio? Das Dorf zerfällt. Ich sollte bei hölzernen Schindeln bleiben. Die Holzhäuser werden immer weniger.

  • 16 Es soll sich mit den Nachbarn gut verstehen. Mit ihren Farben und Materialien neu gebaut sein., zeitgenössisch und eigenständig.

  • 17 Ein Nachbarhaus. Farb- und Materialreferenz. Mehr unbekümmert gemacht, als entworfen.

  • 18 Das Türmlihaus kennt jeder in Unterägeri. Wäre das so etwas wie ein Stück ‚Identität‘, dieser Turm? Kann man daraus etwas Typisches stricken?

  • 19 Kann man den Turm weiterdenken? Als eine Art Laterne, Laube, Loggienersatz und Stube? Um Typisches zu schaffen muss ich zuerst Spezifisches entwerfen. Ich denke: Wer braucht heute noch Wohnzimmer. Wer schaut noch TV? darf ich das hier hinterfragen?

  • 20 Meine Antwort. Eine Ecklaterne mit Ausstellmarkisen. Flächenversetzte Fenster schaffen Privatheit. Wir wirken hochwertiger und räumlicher. Sie sind eine Art 'Fenstermöbel'. 

  • 21 Die Ecklaterne, Laube, Loggienersatz und Stube gleichermassen im Inneren. Ich sah in Studien wie wenig das Wohnzimmer genutzt wird. Wichtigster Ort in Wohnungen und Häusern bleibt die ‚Kommandozentrale‘: Die Küche.

  • 22 Das Arbeitsmodell wird angepasst. Ist die Behauptung mit den Ecklaternen auch verträglich, stimmig? Geht das?

  • 23 Meine Konstruktion sagte: 'Rohbau gleich Ausbau' Es gibt keinen Trockenbau, keine alpinweisen verputzen Wände, keine Downlights in den Decken. Der Ausdruck ist rauh, roh, gedämpft, die Mieten tief. Nicht jeder wird hier wohnen wollen. Das ist gut so.

  • 24 Das Brückchen verbindet die Dorfteile. Die Nordost-Ecke wird ein wichtiger Kreuzungspunkt.

  • 25 Daher wird das kleine Plätzchen für den Aufenthalt möbliert. Eine Weide kragt in die Kreuzung. Dazu ein mehrteiliger Brunnen auf dem Kiesplatz mit festen Bänken und wenigen, leichten Stühlen.

  • 26 Die Wohnungen orinentieren sich diagonal über die Ecklaternen. Das Esszimmer ist riesig. Eine Art Alkoven trennt die kleine Laternenstube. Am Tisch sitzt man länger als nur zum Essen. Die Stühle sind daher tief und gepolstert. 

  • 27 Die bestenden Bäume, Magnolie, Lärche und Weisserle bleiben erhalten. Spärlich gesetzte Buchenhecken und Weissdorne trennen die Gartenräume. Wir pflastern um das Haus die Fehlstellen und den Weg zur Lorze. Eine Weide kommt an das neue Plätzchen. Die Art wie ihre Äste hängen fassen den Raum um den Brunnen gut, fast wie eine Haube.

  • 28 Aus ,Das sanfte Gesetz in der Kunst’ von Paul Schmitthenner. Ich schliesse daraus, es geht bei solchen Bauaufgaben wie hier darum, nicht uns, sondern den Ort zu verwirklichen.

 

  

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Auftrag nach privatem Einladungsverfahren: Mehrfamilienhaus in Unterägeri, Projektleitung und Ausführung Martina Maurer, Projektleitung Bauprojekt und prov. Ausführungsplanung Reto Fuchs, Mitarbeit Entwurf: Stephanie Stratmann, Bauleitung durch Widmer und Partner Ag, Zug 

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