Im Büro Sik wurde zusammen mit dem Büro Knapkiewicz & Fickert ein städtebaulicher Wettbewerb für den Dorfkern des neuen Resorts in Andermatt entworfen. Bekannt wurde das Projekt durch den charismatischen Initatiator Samih Sawiris. Das Dorf liegt inmitten eines kargen, spektakulären Hochtals. Bezüge und Anschlüsse an den Talraum in Richtung Hospental oder an die Flusslandschaft der Reuss sind im Dorf immer spürbar.

Beispiel einer Nebengasse

Die Körnung und Verteilung der Bauvolumen entsteht hier nicht wie sonst gewohnt durch eine Verteilung oder gar Reihung von verschiedenen Häusertypen. Wir schlugen ein kapillarartiges Netz an Gässlein vor, das sich durch einen minimal möglichen Gebäudeabstand definiert. Dadurch werden Restflächen erzeugt, die die Baufläche für die Gebäudevolumen bilden. Das Dorf ist daher keineswegs eine Ansammlung oder gar Reihung individueller Singulärbauten, sondern es ist als eine durch Gassen zerfurchte homogen Masse zu verstehen.

Lageplan des neuen Andermatt (www.aspland.ch)

Dieses Verständnis von „Gewachsenem“ erzeugt nicht nur empirische, schiefe Gassen und Sichtbezüge, sondern auch eine durchlässige, dichte Dorfstruktur, die sich nach allen Seiten öffnet. Sie kann spielend auf Änderungen der Umgebung reagieren ohne sich im Wesentlichen zu verändern.

Die urbane Gestalt des neuen Dorfkerns interpretiert ein klassisches Dreigassen-System. Die Hauptgasse stellt eine Raumabfolge von mehreren platzartigen Ausbuchtungen und Abknickungen dar. Die Ausweitungen an den Enden der Hauptgasse leiten zu Markt- bzw. Festplatz über.

Quartiergestaltungsplan mit Erdgeschossnutzungen

Die nahezu gleichmässigen Breiten der Gassen, die Beschränkung auf wenige Materialien wie Granit, Putz und Holz, sowie die Verwendung von ähnlichen Gebäudegeometrien bilden ein ausserordentlich homogenes Dorf. Dies ist die Basis, die einen freieren Umgang mit Farben und tektonischem Zierrat möglich macht, ohne dabei auseinanderzufallen. Mit dem Tourismusressort Andermatt ist es ein wenig wie mit Las Vegas. Tabula Rasa. Es geht um die Frage von Kopie und Original. Wir kopieren hier nicht. Wir verwenden Elemente ohne Vorbehalte, ohne der Frage „Darf man das?“ Es sind ortstypische, prägende manchmal auch „surreale“, aber uns durchaus vertraute Elemente, die wir in abgewandelter, verfremdeter Form benutzen.

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