«... erwachsen nach dem sanften Gesetz vom stillen Weben und Wachsen, in dem allein das Dauernde und Erhaltende beschlossen.»
Das sanfte Gesetz in der Kunst’ von Paul Schmitthenner, Rede in anlässlich der Verleihung des Erwin von Steinbach Preises, 1941
 01 Durchfahrt

Dorfraum Wir reparieren den stark fragmentierten Dorfkern bzw. das was davon erkennbar geblieben ist, sowohl in tektonischer als auch in städtebaulicher Hinsicht. Mit ‚Dorfkern‘ meinen wir das Restensemble, das aus unscheinbaren, unter ruhigen Dachflächen liegenden Bauten besteht. Wir meinen Bauten wie das Juraschulhaus West der sparsamen 50er Jahre, die heute umgenutzten Bauernhäuser entlang der Dorfstrasse, den Volgladen, die Jugi ‚Lotten’ oder auch das Seetalschulhaus. Häuser, die kaum mehr in Anspruch nehmen, als Häuser einer grossen gemeinschaftlichen Idee zu sein. Ihr Ausdruck entspringt einem Schulterschluss in Ausdruck und Konstruktion ohne je ihre Eigenheiten aufzugeben. Das führt zu zurückhaltenden und dadurch umso kraftvolleren baulichen Strukturen. Diese Art von Un- als ‚Nicht-Schein‘-barkeit suchen wir.

Durch den kranzartigen Firstverlauf wird der Schulhausneubau in trauf- und giebelständige Fronten geordnet. Die Klassenzimmer erhalten jeweils eine maximal breit belichtete, rythmisierte Seite und ein räumliches, wohnliches Blumenfenster im massiven Giebel. Die Kindern schmücken und bepflanzen das Fenster. Hier gestalten sie ihre Adresse, ihr Bild nach Aussen ins Dorf.

02 Hof

Aussenraum Der neue Schulplatz und die Spielwiese ergänzen das bereits bestehende Platzangebot der Anlage. Die Jurastrasse wird in den Schulplatz zwischen den Schulhäusern Ost und Nord integriert.  Ein grosses Vordach entlang des Verbindungsbaus, sowie eine Art Laube mit davorgestellten hochstämmigen Winterlinden prägen den Platz. Die Schülerinnen und Schüler erwarten morgens auf den Sitzstufen ihre Kollegen/innen, abends verabschieden sie sich hier. Die einfache Kopfsteinpflästerung der Strassenkreuzungen wird in die Jurastrasse als wilde Pflästerung hineingezogen. Polygonale Guber Granitplatten, die bereits für die Wegführung um das neue Schulhaus benutzt wurden bilden einen Fries um den Schulplatz.

03 Innen

Lichtraum Zwischen dem südlichen und nördlichen Riegel des Neubaus entsteht ein grosszügiger Gang. Er stösst allseitig immer wieder an die Fassade. Licht dringt durch die hohen Fenster, zum Teil auch durch die Oberlichter der raumhohen Zimmertüren. Ein sehr länglich geschnittener Lichtraum öffnet sich nach oben. Er holt die Sonne über alle Geschosse, bis tief ins Haus. Durch seine Geometrie scheint nicht nur mittags die Sonne steil in die Geschosse, sondern auch morgens und abends kommt sie im flachen Winkel bis tief in die Gänge. Steht man an der kurzen Seiten des Lichtraums bindet der Blick alle Geschosse des Schulhauses zusammen. Die Gesamtheit des Hauses wird erfahrbar. 

Um den Lichthof wird eine Balustrade aus furnierten Garderobenkästen (Brandschutz) mit 15m Lauflänge pro Geschoss gebaut. Die Kästen sind für 2 bis maximal 3 Kinder ausgelegt und mit 3 Doppelhaken an den Seiten- und Rückwänden ausgestattet. Die Rückwand des Kastens wird hälftig in zwei Farben belegt. So erhält jeder Kasten seine eigene ‚Heraldik’ ohne dass zusätzliche Beschriftungen nötig wären. 

04 Musik

Fensterraum Bei der Konstruktion und dessen Ausdruck gingen wir von zwei Referenzen des besagten Ensembles aus. Zum einen von den Betongitterfassaden des benachbarten 50er Jahre Baus, zum anderen vom noch bestehenden Bauernhaus auf der Parzelle. Ein typischer Bau mit einem massiven Wohnteil und einer hölzernen, strukturellen Scheune. Beides gefasst unter einem gemeinsamen Dach.

Wir ‚wirken’ (im Sinne von teigen) beide Typen zusammen. Dadurch entsteht ein Haus mit massivem, behäbigem Teil in den Giebeln und einer strukturell gebauten Fensterreihung entlang der Längsseiten der Unterrichtszimmer. Die Fenster werden aus feinjähriger geölter Lärche und zum Teil aus Eiche gebaut. Sie bestehen aus einem festverglasten Teil, der fassadenbündig liegt und einem schmalen zurückgesetzten Lüftungs- bzw. Putzflügel. Die Simse liegen tief, auf Tischniveau. Ein Handlauf wird nötig, der für Blumenkästen verwendet werden kann. 

Die Fenster an den Giebelseiten liegen auf Bodenniveau, ohne Brüstung. Sie werden als Kastenfenster mit innenliegendem Sonnenschutz und einer einfachen Festverglasung aussen ausgeführt, da die Sonne hier nur frühmorgens und abends scheint. Nie liegen sie im Süden. Der Zwischenraum des Kastenfensters wird als Ausstellungort für die Klassen verwendet. Die zwei Lüftungsflügel daneben sind franz. Fenster, sozusagen kleine Balkone.

 

--Wettbewerb: Andreas Fankhauser; Landschaft: Seraina Kuhn von Tobler Landschaftsarchitekten; Energie: Jörg Lamster vom Studio Durable

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