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Lando Rossmaier
Lando Rossmaier Architekten AG
Schulhausstrasse 1
8755
Ennenda, Glarus

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055 214 10 44
079 211 97 87

Weitere Informationen

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Interview in Werk Bauen Wohnen mit Caspar Schärer, Fotos von Johanna Muther, wbw 11 2015

 

Das Glück in der Falte

Ennenda als Gegenprogramm zur Metropole

 

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Interview in Blickwinkel, Magazin des SIA, März 2013

 

 

 Wirkung

Was ist gute Architektur?

Was bedeutet für Sie gute Architektur? Die Analogie von ‚Wirken‘ im Sinne von teigen bzw. kneten und der Wirkung als architektonischem Ausdruck ist für mich aufschlussreich. Ähnlich den textilen Gewirken bzw. Wirkwaren wie Filz und dem österreichischen Loden, bei denen unzählige, widerborstige Fäden, in einem aufwändigen Verfahren zu einem stablien Stoff gewalkt und verfilzt werden, so werden auch in der Architektur divergierende Anforderungen unter einen Hut gebracht. Bei guter Architektur werden sie, ebenso wie bei einem guten Stoff, zu einem festen, unverrrückbaren Gefüge verwoben bzw. verwirkt. In mühsamer, geduldiger Arbeit werden alle Bestandteile zu einem kohärenten Ganzen gefügt. Der Stoff wird mit der Zeit dichter und mehr gefestigt. Genauso bedingen und stärken sich in der Architektur, die im Entwurf gefällten Entscheide gegenseitig. Beides wird geduldig und sorgfältig er- bzw. verarbeitet. Derart gefertigte Werkstücke behält man gerne. Sie sind robust, auch gegenüber Strömungen und Tendenzen. Sie berühren uns, weil wir die Hingabe und Sorgfalt darin spüren. Wir schätzen sie und tragen Ihnen Sorge. Die oft gestellte Haltungsfrage erübrigt sich. Sie ist Teil der Methode.

Welche Eigenschaften braucht ein guter Architekt? Architektinnen und Architekten sollten Ihr Handwerk verstehen, sie sollten sorgfältig und geduldig arbeiten können, die Fäden zusammenbringen ohne den Überblick zu verlieren. Ihr Interesse sollte der Qualität gelten, auch wenn die Arbeit, das ständige Walken und Teigen anstrengend ist. Es muss das Ziel sein, qualitätvolle, reife Dinge zu schaffen, damit die Menschen, für die wir bauen, sie gerne und lange nutzen.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf? Um beim Bild des ‚Wirkens’ von Divergenzen zu bleiben gefällt mir der nicht lineare Aspekt. Ich mag das zum Teil sprunghafte, unterschiedliche Instanzen gleichzeitig denkende, die unerwarteten Wendungen im Prozess. Es gefällt mir, dass der Beruf so facettenreich ist, ja oft fast unüberschaubar. Dass man Unternehmer, aber auch ein bisschen Poet ist. Dass man sich nur zu oft auf unsicherem Terrain bewegt und man eigentlich immer einen wahren Kern entdecken kann. Dass Entscheide sowie vermeintliche Ideologien immer wieder hinterfragt werden können ohne dabei opportunistisch zu werden. - Am meisten aber liebe ich den Schluss von Entwurfsprozessen, dann wenn nach Tagen und Wochen der Konzentration und des erschöpfenden „Wirkens“ alles zusammenkommt, wenn alles stimmig wird und Sinn macht. Der Entwurf ist dann von einer unbezwingbaren Logik durchdrungen und alles hat seinen Platz – dann ist das wie Mathematik, dann weiss ich genau wie alles zu sein hat, sogar wie die Türgriffe beschaffen sind, wie sich die Räume anfühlen. Das ist ein erhabenes Gefühl. Das Haus ist fertig gedacht. An diesen Punkt sollte man immer kommen.

Wenn Sie nicht Architekt wären, was für einen Beruf hätten Sie dann? Manchmal denke ich, wäre ich gerne Ingenieur, vielleicht Bauingenieur. Auf jeden Fall mehr noch Wissenschaftler, ein Biologe in der Feldforschung. Mir gefällt der rationale Aspekt sehr, daher arbeite ich gerne neben dem Büro an der Fachhochschule in Winterthur in der Forschung. Meine Frau dagegen behauptet ich wäre gut in der Betreuung von Menschen. Wenn ich mir das recht überlege sind das eigentlich gute Voraussetzungen um Architekt zu sein.

Worauf könnten Sie auf keinen Fall verzichten? Auf meine Familie, meine Mitarbeitenden und auf Butterbrezel.

Welchen Ort lieben Sie am meisten, und warum? Früher war das der obere Letten. Ich war dort oft mehrmals täglich für einen kleinen Schwumm, über Jahre hinweg. Von März bis fast Ende Oktober, wenn es schon recht kalt war. Mittlerweile, als Vater, ist mir der liebste Ort zu Hause. Ob das auch mit einem Ort verbunden ist und nicht nur mit meiner Famlie, das weiss ich noch nicht genau, aber es gibt eine noch nicht genau beschreibare Sehnsucht danach. Ein Ort der mit eigenen Erinnerungen gefüllt werden kann. Manchmal denke ich, das kommt davon, weil ich schon in jungen Jahren auszog und ich die alte Heimat nur mehr von Besuchen her kenne.

Für wen würden Sie gerne einmal bauen? Nach der eben gestellten Frage muss die Antwort wohl lauten: Eine Heimat, für mich selbst.