IN ARBEIT Ein Ideal Letztes Jahr bot sich die einmalige Chance mit dem Master Studio der Hochschule Luzern ein Setting mit geradezu idealem Ateliercharakter betreiben zu können. Wir bezogen in Glarus Süd das 'Haus der Direktion', einer ehemaligen Weberei und Spinnerei. Dort stand uns ein überhoher Atelierraum mit ca. 170qm plus einem grossen Besprechungszimmer zu Verfügung. 

Isabelle Behrens und Robert Pfadt von alpinecoworking.com arbeiten seit längerem an der Umwidmung des Areals zu einer zeitgenössischen Klause – soweit ich das verstand. Ein Bauprojekt dazu gibt es bereits. Wir konnten als Zwischennutzer das Herbst- und Frühlingssemester mietfrei verbringen (Danke an die HIAG.) Wir wollten mit den Studierenden Zeit gemeinsame verbringen, vor Ort arbeiten und Erfahrungen teilen, mehr als bei gewöhnlichen Ateliertagen. Wir verstanden das Setting als eine Art 'Feldsemester' in engem Kontakt mit den lokalen Experten und Protagonisten. Wir wollten die Stimmung in Glarus Süd erfahren und nicht nur für ein paar Tage buchen. Einrichten mussten wir die Räume dazu selbst. Wir entwarfen und bauten in den ersten Wochen Möbel, um vor Ort arbeiten und schlafen zu können. Sogar eine mobile Schreinerwerkstatt richteten wir ein. 

Danach erst machten wir uns an die eigentliche, architektonische Arbeit. Es ging um ein paar Gehminuten nördlich liegendes Industrieareal, das ebenfalls Standort einer früheren Textilfabrik war. Erarbeitet wurden Szenarien, die für das heute leere Wiesland eine sanfte touristische Nutzung erlauben würde. Von aussen mag man Glarus Süd wohl als strukturschwach bezeichnen. Doch darin glauben wir Qualitäten zu finden, die es zu entwickeln und gleichzeitig zu bewahren galt. Zsuammen mit der freien Programmanforderung war das ein herausforderndes und lehrreiches Unterfangen.

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Herbstsemester 'Sehnsuchtsort', Entwicklung aus Kontext 

Haetzingen Hefti Areal

Authentischer Tourismus, ist ein wohl eher selten geglücktes Paradoxon.  Die Schweiz galt mir stets als Ort voller Mythen. Zudem entwickelte sie ihre Naturerlebnisse in den Berglandschaften erfolgreich als touristische Sehnsuchtsorte und widmete sie in den letzten Jahren noch erfolgreicher zu Sportgeräten um. Doch wie Besuchende zu beherbergen seien, blieb oberflächlich, klischehaft, ja unbefriedigend. Guten Beispiele sind rar. Wie also kann man einem Ort nah, mit ihm verbunden sein, wenn man nur kurze, zu ereignisreiche Tage bleibt. Wie kann man Landschaft erfahren, wenn es gleichzeitig hunderte oder tausende Andere gleichermassen tun. Nichts scheint Touristen so verhasst, wie andere Touristen, auch ein touristisches Paradox. Natürlich sind wir nicht so vermessen in diesem Semester gültige Antworten zu versprechen. Dennoch wollen wir uns die Frage erlauben was Tourismus oder Erholung eigentlich sein kann. Was darf eine eigentliche Brache, wie das Studio Basel in seinen städtebaulichen Bohrungen Glarus Süd betitelte, an Qualitäten entwickeln? Dazu wollten wir so nah wie möglich am Ort arbeiten, von seinen Möglichkeiten ausgehen.  

Material verstehen wir im Masterfokus nicht blos als lokales, nachhaltiges, vielleicht sogar zirkuläres Bauprodukt, sondern auch ganz generell als räsonierenden Widerstand. Vorhandenes Material wird neben dem Architekten und der Architektin selbst zum Akteur, ganz im Sinne George Kublers in 'The shape of time'. Diese Sicht ist Grundlage unserer Arbeitsweise. Sie entledigt uns singulärer Einzelleistungen, oder besser, es eröffnet uns eine feinere Wahrnehmung und damit universellerer Antworten. Mit der Aufgabenstellung Bauten in die nicht sehr dicht bevölkerte Talschaft zu setzen, stellt sich in der Landschaft die ganz generelle Frage nach der Merklichkeit des Eingriffs. Wie stark unterscheiden sich Kultur und (kultivierte) Natur, wie gestalten wir das Verhältnis zwischen Ursprünglichkeit der Szenerie und der Verfeinerung durch unseren gestalterischen Anspruchs. Schlussendlich stellt sich die schwierige Frage wie identisch und authentisch ein Feriendorf sein kann. Ist es ratsam an bestehenden Bildern weiterzubauen? 

Authentizität im Sinne eines Originals, als entwerferische Zielsetzung, gewannen vermutlich über das letzte Jahrzehnt an Wert, da die Befolgung eines Regelkanons nach den letzten Ismen einer persönlich gefärbten Selbsterkundung wich, deren Mittel Kohärenz, vielleicht sogar Logik waren, um ihre Wesentlichkeiten bzw. Eigenschaften zu plausibilisieren. Die Gestaltung eines Originals, das in diesem Kontext nie Original sein kann, ist seit jeher paradoxes und dennoch mächtiges Narrativ, das im Alpengebiet mittels Postkarten und Reisbeschrieben transportiert wurde. Denkt man an die Inszenierung burgartiger Kolosse, die manche Bergkuppe überhöhen oder an die romantische Platzierung etlicher Hotels vor Wasserfällen, ja überhaupt an Gewässern. Wir wollen hier ansetzen, die Architektur als Erweiterung oder Verstärkung landschaftlicher Eigenheiten verstehen. Daher starten wir nicht mit unseren Vorstellungen von Häusern oder Grundrissen und Fragen nach Komfort oder Nutzungsideen. Wir beginnen beim Bild der Landschaft. Ein künstlicher See, dessen Name noch zu finden ist. 

Wir setzen uns exemplarisch mit dem Verhältnis von Behausung und Landschaft auseinander. Dabei spüren wir den vielfältigen Gestaltungsarten aus dem Wechselspiel mit der Landschaft nach, unerheblich ob die Landschaft natürlich oderkünstlicher Natur ist. Um den See herum, zwischen Strassenbrücke und Kanal sowie dem bestehenden Dorfteil Hätzingen wird eine touristische Nutzung entwickelt. Erwartet wird eine eigene Vorstellung und Konstellation der Nutzungen, vor allem aber eine mit der näheren und weiteren Landschaft stark ineinander gearbeitete architektonische Antwort. 

 

 

Student Florian Oertli The longing of the tourist for relaxation in the countryside corresponds to the expectation to experience in the holidays house as much of a contrast in mood as possible. Thereby an atmospheric density which is different from the city is expected from the landscape. But nothing shapes our sense of a place as much as nature. In the richness of its own possibilities, in its climate, with wind, weather, light, clouds, haze or sky blueness. So, the holiday architecture does not only have to protect us from the weather - at the same time it also has to stage an experience of nature.

The project is a very personal perception of the situation and conditions in Glarus. It is an idea that has its origin in the impressive nature of the Glarus Alps and seeks an answer through its materiality. The site will be further developed with a restaurant, three “community” holiday homes and a youth hostel. Uses that I claim will make the place a more lively place. A precise idea is shown on the basis of one of the three houses. 

There is a core, concreted with the stones from the site. On this core a wooden structure is hanging, protecting above the ground. The structure remains mostly open. The large roof protects from the weather. Separated from this structure are placed isolated rooms for use on cold days

What do you need when the period of simple life during the vacations is clearly limited? How nice is the fact that you need little, but at the same time you know that the vacations will come to an end? The luxury comes from outside: The changing weather conditions, the rhythm of light & dark and the resulting changes in color visually enter the interior and constitute its atmospheric mood...

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Studientin Juliana Furrer The hotel is located in Hätzingen Glarus by an artificial lake. On the one hand there is the presence of the beautiful nature – mountains, rocks,trees and rivers. On the other hand there is the village with its conventional Swiss architecture housing style. This ambivalence gives the landscape its identity. What I like most is the subtle infrastructure that is slightly placed in the landscape. There are utility poles, electro lines, little stone walls, steel bridges or tiny wooden sheds. Sometimes even clouds are hanging delicately between the mountains and seem to touch the trees. This condition influenced the idea of the hotel: It is an infrastructure placed carefully in the landscape referring strongly to the place. It is made of stamped concrete containing small stones that are dug out of the earth to make the artificial lake.

The main part of the hotel is embedded into a slope with an open side towards the lake. Fourteen hotel rooms are lined up in a row that nestle to the natural contour line of the landscape. To follow this curve, every single room is shifted by the width of one wall. This shift creates a privateouter space: a small platform that leads directly into the water. A continuous corridor connects the hotel rooms and leads on the one hand to the boat site, on the other hand to the sauna with a small bathing platform. Both ways end up in an open triangular roof. Inside the corridor there are different light situations, created either through triangular open top lights or openings towards the lake. One enters the corridor by three accesses fromabove which lead through the earth realm side of the corridor wall. This meandering corridor wall penetrates the earth vertically and appears in the landscape as a separation between the park and the lake side. The park is full of trees and a public space for the people of Hätzingen. In between the trees there is a delicate shelter made of steel and corrugatedsheet merging the main accesses and the reception. Last but not least there is a direct access down to the sauna and an open fireplace.

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Student Fabian Huber Wir alle haben dieses Gefühl;  den urmenschlichen Sinn, Raum wahrzunehmen. Es gibt viele unterschiedliche Dinge die auf uns wirken, sie werden absorbiert und verrenken sich zu einem Geflecht das man als Genius Loci beschreiben könnte. Den Geist eines Ortes. Das Glarnerland ist so ein Ort, wo sich grossartige Phänomene vermischen und etwas Vertrautes entfalten. Mit meinem Projekt habe ich versucht, diesen Dingen etwas näher zu kommen. 
Es ist aber kein Geheimrezept, das etwas Unbekanntes aufzudecken vermag, sondern vielmehr eine Reflexion mit dem Anspruch, den normalen Dingen, der alltäglichen Lebenswelt ihren Wert zurückzugeben. Und dadurch Phänomene zu entdecken, die uns eigentlich unscheinbar; ermöglichen sich mit dem Ort zu Identifizieren und zugehörig zu fühlen.

Alles fing damit an, dass Glarus irgendwie ein Ort ist, den ich mag. Die Menschen und Bauwerke die ich beobachtete, die Atmosphäre; sie ist nicht so wie in Zürich aber auch nicht wie in Luzern, irgendwie ist sie anders. Alles scheint in seiner eigenen Art und Weise auf der Erde zu sein und erlaubt es so, sich mit dem Ort zu identifizieren.
Wir leben in einer Zeit der visuellen Überflutung und der daraus folgenden Orientierungslosigkeit. Menschen sind zunehmend isoliert und einsam. Juhani Pallasmaa illustrierte einen Ausweg als unscharfe und schattenbehaftete bis sogar dunkle Umwelt, die uns wieder näher zusammenbringen soll und skizzierte die wunderbaren, wechselnden Lichtzonen früherer Strassenbeleuchtungen alter Stadtstrukturen.

Vielleicht gibts diesen Gegenpol zur monotonen, pluralen Welt im konkreten Lebensort, dem Ortsbezug und dessen Eigenlogik. Symptomatisch dafür sind vielleicht die vielen Touristen, die ihr privates Umfeld verlassen; um für eine kurze Zeitspanne an einen dieser Orte zu stürmen. Zur Erholung vielleicht. Vielleicht aber auch einfach um mal wegzukommen; auf der Suche nach Ruhe und dem urmenschlichen Gefühl von Identifikation und Zugehörigkeit.

Es gibt diese wunderbare Atmosphäre, sich irgendwie willkommen zu fühlen. Besonders als Fremder. Man wird auf eine schöne Weise eingeladen und in diesen familiären Kreis miteingeschlossen. Es ist ein Ort an dem man nie allein ist, immer umgeben, aber trotzdem seine Ruhe findet.

Mit der gestellten Aufgabe; eine touristische und somit öffentliche Baute zu entwerfen, erscheint es sinnvoll, die vorhandenen Phänomene genau zu studieren. Anknüpfung findet sich im Ortsgeist der aus den vielen verschiedenen Dingen besteht die sich in Hätzingen verdichten und so das Wohnen ermöglichen. Dieser Entwurf dazu, darf gerne als zugezogene “fremde” Familie betrachtet werden. Damit ist aber nicht auf den andersartigen Ausdruck abgeziehlt der sich dezent an die vorhandene Schleusen,- und Wassertechnik anleht, sondern vielmehr durch die neue Art, wie Bauwerke genutzt werden können. Menschen die für einen bestimmten Zeitraum ihr Heim verlassen und nach Hätzingen siedeln, sich der wunderbaren Stimmung hingeben und sich als verschiedene Phänomene, mit allem Anderen, weiter zu dieser aussergewöhnlichen Atmosphäre verdichten, die Umwelt im Tal versammeln und so; auch alle zukünftigen “Fremden” herzlich empfangen.

Drei Orte sind entstanden: Ein Quellhaus zum künstlichen See mit einem gedeckten öffentlichen Raum zum werken und sein, darunter Platz für Kultur und Handwerk; einen erweiterter Raum zu den kleinen 
1-2-Zimmer Wohnungen im vermittelnden Wohngebäude am Weg. Und der dritte Ort; der Sonnenfänger, als Energieförderer für den Betrieb und Unterstand für einen mobilen Kiosk.

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  • 07 Materialrecherche
  • 08 Materialmuster
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  • 12 Innenraum
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  • 24 Fassade
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We are assuming a paradox that is probably rather rare: authentic tourism. Although Switzerland was originally a place of longing, fully of myths and experiences of nature, it successfully began to develop its mountain landscape as a tourist destination and later, no less successfully, turned the mountains into sporting equipment and created new sources of longing, nevertheless the answers to the question of how visitors are to be housed range from the superficial to the unsatisfying. Good examples are few and far between and often laden with clichés. How can one be close to a place, have a connection to it, if one only stays there for a few short, overly eventful days? How can one experience the landscape if hundreds or even thousands of others are doing so at the same time? There is nothing tourists hate more than other tourists. Another paradox. We do not have the temerity to believe we will find valid answers during this semester. Nevertheless, we want to permit ourselves to ask what tourism or recreation could really be. What sort of qualities can a ‚fallow land‘, to borrow a term from the title of Studio Basel‘s urban planning studies of Glarus Süd, development? To that end, we want to start from the site and its possibilities.


In this master‘s focus, we understand materials not only as a local, sustainable and perhaps even circular product for construction but also very generally as a rational resistance. The existing materials themselves thus become a participant along with the architect. This view is the foundation of our way of working.  It relieves us of the need for singular, Individual achievements – or, more precisely, It opens up for us a subtler perception and therefore more universal answers.The task of putting buildings in a not very populated valley raises the very general question of how noticeable the intervention will be. How different are culture and (cultivated) nature, how do we design the relationship between unspoilt scenery and refinement by means of design? In the end, we are confronted with the difficult question of how identical and authentic a vacation village can be. Is it advisable to keep building on existing images?


Authenticity In the sense of an original, as a design objective, has probably increased in value over the last decade, because following a canon of rules based on the latest isms gave way to a personally coloured self-exploration whose means of making its essences or qualities plausible were coherence and perhaps even logic.Designing an original, which in this context can never be original, has long been a paradoxical and yet powerful narrative that in the Alpine regions has been conveyed by postcards and travelogues. Think of the presentation of fortress-like colossi taller than some mountain peaks or of the romantic placement of some hotels in front of waterfalls or bodies of water in general. We want to start understanding architecture as an expansion or reinforcement of the features of the landscape.  To that end, we do not start with our ideas of houses or ground plans or questions of comfort or ideas about use. We begin with the image of the landscape. An artificial lake whose name still needs to be invented.


During the semester we will study buildings that engage in exemplary ways with the relationship of housing and landscape. In the process, we will get a sense of diverse types of design in the interplay with the landscape, no matter whether that landscape is natural or artificial. Around the lake, between the road bridge and the canal and the existing village district of Hätzingen, potential use by tourist will be developed based on their ideas. It need not be based on my quick sketches. My planned expansion of the small-scale wooden buildings of Adlenbach and the solitary hotel building to the south are just the first, still superficial and perhaps unfinished ideas. We expect you to come up with your own idea and constellation of uses. Above all, however, an architectural answer that is worked out so that the immediate and more distant landscape are closely integrated.

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Herbstsemester Mit Flurin Bisig Künstler, Dr. Uwe Teutsch Tragwerk, Yves Dusseiler Unterstützung bei Konstruktion und Modellen, Thomas Paturet von atlasofplaces.com Gastkritik und Architekt Gordian Blumenthal Gastkritik

 

Fühlingssemester 'Sehnsuchtsort', Umprägung des Kontext 

Braunwald

in arbeit Kontext mit eigener Fiktion schaffen. Voriges Semester widmeten wir uns einer realen Anfrage eines Bauherrn im Glarner Grosstal. Es galt unterhalb von Hätzingen einen künstlichen See längs der Linth anzulegen. Daran sollten Ferien- und Apartmenthäuser andocken. Den See formte eine natürliche Senke. Der Leerraum zwischen den Ortsteilen Adlenbach und Hätzingen wurde damit akzentuiert. So weit so klar, doch wie und ob man ein Feriendorf bauen soll, ja ob man an bekannten Bildern anknüpfen darf, dem gingen wir unter dem Titel ‘Lebendige Brache – Rückzug und Erholung in Hätzingen, Glarus’ nach. Wir wollten dem Paradox von touristischer Anliegen nachspüren. Wir wollten verstehen welche Gratwanderung es zu meistern gilt und wo unerkannte Chancen lägen. Kann ein langfristig relevanter Beitrag gelingen? Dafür brauchten wir ein ganzes Semester und einige Diskussionen mit unseren Gästen Thomas Paturet und Gordian Blumenthal. 

Eine der grössten Hürden – und es gab einige – bestand darin, dass wir nur vermeintlich auf freiem Feld um einen Leerraum arbeiteten, denn jeder Eingriff stand in Bezug zur gewachsenen Siedlungsstruktur, so sehr das manche ihn zu überwinden suchten. Die romantischen, einen künstlichen Naturbezug vortäuschenden Projekte, mussten sich eingestehen, dass ihr Strategie nicht aufgehen konnte. Erfolgreicher waren jene, die einerseits die Beziehung zum Bestand erhalten konnten und dennoch über eine eigene, persönliche Vorstellung von Erholung und Abwechslung zu gewöhnlichen Wohnvorstellungen einen frischen und starken Beitrag leisteten. Es zeigte sich, dass diejenigen Arbeiten, die sich auf bestehende Siedlungsstrukturen oder räumliche Typologien stützten und dann mit ihrer eigenen Fiktion umschrieben am Erfolgreichsten waren. Das Neue braucht das Bestehende. Beide Seiten sind notwendig, denn das Unbekannte bedarf des Bekannten, damit als differentes Neues und nicht nur Fremdes zu erkennen ist. 

Bei Hans Döllgasts Künstlerhof oder bei Zumthors Haus Dierauer lernten wir, wie aus Bekanntem Neues geschaffen wurde. Einem einfachen, repetitiven Hof wurde ein schmales überhöhtes Rundtor beigestellt. Beim Haus Dierauer wird einer althergebrachten Setzung mit etwas Empirie in der Setzung und einem quergestellten Dach ein neuer Dreh eingeschrieben. Doch ist eine solche Strategie für jede Entwurfsaufgabe geeignet? Was ist, wenn es mehr braucht als eine Verfremdung, wenn weniger der Ort auf den Bau wirken, sondern ein Bau den Ort umprägen soll, wenn es mehr ‚Impact’ braucht um den darbenden Ort zu wecken?

 Jagdschloss Antonin Grundriss

Jagdschloss Antonin

Sehnsuchtsort Braunwald

Für diese invertierte Themenstellung gehen wir nach Braunwald. Das autofreie Feriendorf liegt oberhalb unseres Ateliers. Der Südhang wandelte sich von einer Alp zum mondänen Kurort und wurde später zu einem Feriendorf. Wie viele andere Ferienorte ist auch Braunwald wegen fehlender Nachfrage geschrumpft. Manche behaupten es liege an der unzugänglichen, distanzierten Lage, die nur mit einer Standseilbahn überwunden werden kann. Einige Stimmen sehnen sich bereits nach einer Strasse ins Tal. 

Doch was fehlt hier wirklich? Dazu muss man nicht nur die Situation in Braunwald, sondern die des gesamten Glarnerlandes berücksichtigen. Es soll uns nämlich nicht darum gehen vorrangig für Touristen zu bauen. Das, so lernten wir, wäre ein Fehler. Wir wollen für die Glarnerinnen und Glarner sowie die anliegenden Kantone bauen. Touristen kommen dann von selbst. Das ist simple Grundlage für authentischen Tourismus – und nachhaltigen, denn der Ort wird auch dann noch funktionieren, wenn die Besucher einmal ausbleiben. 

Wir meinen nicht mit weiteren Ferienhäusern den Ort belebt zu können oder mit der Erschliessungsfrage eine Verbesserung zu erreichen. Auch Homeoffice und digitale Nomaden werden keinen ausreichend grossen Einfluss haben. Unsere These lautet: Es braucht einen starken, neuen Narrativ. Eine kraftvolle, präsente architektonische Behauptung und Erzählung im grossen Massstab. In der Grösse und Wirkung eines Märchen- oder Musikhotels. Das ist unsere Behauptung, der wir in diesem Semester mit Euch nachgehen wollen. 

Wo der passende Ort zu finden ist und welche Fiktion tragfähig genug sein wird, das gilt es im Gespräch mit Bewohnern, Hoteliers und Ingenieuren herauszufinden. Das wird der offene und herausfordernde Teil der Aufgabenstellung sein. Unsere Hoffnung liegt darin, dass Architektur einen langfristig! wirkenden Sehnsuchtsort schaffen kann, ein auratisches Original im Sinne von Walter Benjamin.1 Vielleicht gelingt das manchen von Euch in diesem Semester. Wir freuen uns auf dieses Wagnis mit euch.

 

Projekt 'BSINTI' Student Nils Oppliger Das Projekt setzt beim vielfältigen Kulturprogramm von Braunwald an. Das Lesecafé & Kulturbar BSINTI steht sinnbildlich für den kulturellen Austausch im Dorf. Es stellt einen Raum zur Verfügung für Ausstellungen, Bühnenkunst, Musik, Lesungen und Dorfversammlungen. Momentan besitzt es jedoch nur eine geringe Ausstrahlungskraft, womit es nicht gelingt das Dorf in seiner Entwicklung langfristig zu prägen. Aus diesem Grund soll das vorliegende Projekt dem BSINTI ein neues Zuhause mit Charisma bieten. Ein Ort soll entstehen, wo sich die Bewohner und Besucher von Braunwald treffen, sich austauschen und das diverse Kulturprogramm geniessen können. Die Position des BSINTI als kulturelles Rückgrat des Dorfes wird damit gestärkt und es kann zukünftig einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung von Braunwald haben. Vielleicht entwickelt sich Braunwald zu einem lebendigen Kulturort, der von der Einzigartigkeit, der Entschleunigung und der Verbundenheit Braunwalds profitiert. Durch das Projekt wird an den vorgefundenen Qualitäten, die den Ort ausmachen, festgehalten und zusätzlich verstärkt, damit die faszinierende Atmosphäre von Braunwald auch noch in 100 Jahren zu erleben ist.

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'Hostel Gysenegg-Brächalp Unterstafel' Studentin Xenia Braun  Mit meinem Projekt soll den Ort Braunwald neu zu beleben und für verschiedene Anspruchsgruppen attraktiv gemacht werden. Die Hauptrolle spielt dabei ein Hotel mit Restaurant, welches sich direkt an einem Wanderweg, leicht über dem Hüttenberg befindet. 

Das Gebäude dient der Gemeinschaft und richtet sich daher bewusst auf den einen grossen Gemeinsamen Raum aus, der Restaurant, Bar, Rezeption und Aufenthalt in einem bildet und auch für Veranstaltungen oder Auftritte genutzt werden kann. Im Zentrum befindet sich der offene Kamin, der nicht nur Wärme und Wohligkeit spendet, sondern zugleich das Hauptelement der Lastabtragung bildet. Die 16 Zimmer sind um den zentralen Raum angeordnet und bieten Einblicke in und über den zentralen Raum hinweg. Sie sind kompakt gehalten, aber mit allem nötigen Komfort ausgestattet und können jeweils von 1-2 Personen belegt werden. Im Erdgeschoss befindet sich nebst der Gastroküche eine kleiner Wellnessbereich mit Pool und Sauna. Dieser Bereich ist notwendig, um die hygienische Versorgung für den zweiten Teil meines Projekts sicher zu stellen.

Die zweite Ebene des Projekts bietet bewusst eine andere Atmosphäre als das belebte Hotel. Hierbei geht es um die Umnutzung alter Ställe und Hütten, welche in Braunwald zahlreiche vorhanden sind und nicht mehr genutzt werden. Wenn einem Trubel und Enge zu viel werden gibt es mit einfach sanierten Hütten die Möglichkeit einen Aufenthalt fern von dem gewohnten Komfort zu erleben. Einer dieser Hütten ist die Brächalp Unterstafel, welche durch verschiedene Gebäude und Abgeschiedenheit viel Raum und Luft bietet. Für diese Umnutzung wurde lediglich der Hauptraum, die frühere Alp, von Innen ausgedämmt und mit einem neuen Holzofen ausgerüstet. Durch den leichten Einzug der beiden Eingänge werden definierter Raumzonen gebildet, wie die Sofaecke, die in kalten Tagen auch als Schlafplatz dient, sowie Stauraum und Arbeitsnische mit einer grossen eingebauten Tischfläche. Fliessendes Wasser ist in der Hütte nur über den Bach, der im hinteren Bereich durch die Hütte führt, vorhanden. Eine Komposttoilette im hinteren Bereich neben dem Bach bildet eine angenehme alternative zur gewohnten Spülung. Eine Dusche ist nicht vorhanden, weshalb bei längeren Aufenthalten der Wellnessbereich des Hotels zur Verfügung steht.

Insgesamt bilden die beiden Komponenten die wertvolle Möglichkeit innert kurzer Zeit zwischen unterschiedlichen Komfortbereichen, Stimmungen und Gemeinschaften zu wechseln und dabei trotzdem ähnlichen architektonischen Elementen und Materialien zu begegnen.

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'Wasserleite' Student Nathan Boder Jedes Jahr rutscht Braunwald, ein wichtiges touristisches Gebiet im Glarnerland, ins Tal. Seine vorteilhafte topographische Konfiguration in Form einer Terrasse besteht geologisch gesehen aus einer instabilen Masse, die auf einer rutschigen Oberfläche abgelagert ist. Um das infiltrierte Wasser, das dieses Abrutschen begünstigt, zu beseitigen, wird demnächst ein groß angelegtes Drainagesystem errichtet. Pro Minute wird diese Konstruktion 1.200 bis 6.000 Liter ableiten. Das vorgestellte Projekt schlägt vor, diese natürliche Ressource zu nutzen, um die Attraktivität des Ortes zu steigern.

Inspiriert von den Walliser Bisses und dem Holzbrunnen von Valendas besteht das Projekt aus zwei Teilen. Der erste, ein hölzerner Kanal, wird an der Stelle des Entwässerungsweges gebaut. Diese "Bisse" wird von einem Spaziergang begleitet, der von Ruhezonen unterbrochen wird. Der zweite, eher private Teil, besteht aus mehreren Wellness-Oasen. Diese bieten verschiedene Bereiche, wie ein heißes Bad, ein kaltes Bad, eine Sauna und einen Ruhebereich. Das aus den Drainagen gewonnene Wasser wird hervorgehoben, indem es in allen Teilen des Projekts zirkuliert. 


Das Projekt, das in Modulen entwickelt wurde, erlaubt es, leicht auf die steile Topographie des Geländes zu reagieren. Es sorgt auch für Vielfalt, indem es jede Oase auf einzigartige Weise komponiert. Das Projekt sieht eine einfache Konstruktion mit Low-Tech-Details vor. Die Struktur ist aus Weißtannenholz aus der Region selbst gefertigt. Die Teile des Holzes, die eine größere Widerstandsfähigkeit erfordern, sind aus Kastanienholz aus dem Tessin gefertigt.

Projekt 'Ort der Ruhe' Studentin Sandra Nill Braunwald liegt ruhig und abgeschieden auf einem Plateau oberhalb von Linthal. Diese besondere Qualität möchte ich in meinem Projekt zu einem Nutzen machen. Es soll ein Ort der Zurückgezogenheit entstehen, der Braunwald nicht zu einem grossen Tourismusmagneten macht, sondern seine vorhandenen Qualitäten nutzt und einen Ort bietet, um die Ruhe und Abgeschiedenheit zu erleben. 

Das Projekt liegt etwa 100m von der Brächalp entfernt, in einer Senke zwischen dem Ortstock und Braunwald. Durch die Topographie besteht kein direkter Sichtbezug zu Braunwald oder ins Tal, man hat das Gefühl, weit und breit nur von den Bergen umgeben zu sein. Nach ca. 1 ½ Stunden erreicht man den Ort von Braunwald aus zu Fuss. Von dort kommend gelangt man zuerst zur Brächalp und folgt dem Verlauf des Brummbachs weiter nach oben. Wo der Bach etwas steiler abfällt steht das Badehaus mit einer Waschgelegenheit und einer Sauna. Gleichzeitig dient das Gebäude als Brücke über den Bach und verbindet so den bestehenden Wanderweg auf beiden Seiten miteinander. Folgt man dem Bachlauf weiter nach oben gelangt man zu den anderen beiden Gebäuden. Über eine Brücke überquert man den Bach und befindet sich im überdachten Aussenraum des Gemeinschaftsgebäudes. Gegenüber befinden sich die Zimmer, die einzeln gemietet werden können und eine minimale Grundausstattung bieten. 

Der Ort soll als einfacher Rückzugsort in der Nähe von Braunwald dienen und das Bild der Ruhe und Abgeschiedenheit von Braunwald in einer positiven Weise schärfen.

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Projekt 'Seilbahnstation und Restaurant Orenplatte' Florian Oertli 

Der Berg im Spannungsfeld zwischen Erhabenheit und Profanität

Wenn man sich die Bleistiftzeichnung von 1930 anschaut, sieht man deutlich die gesamte Terrasse. In der Breite liegt die große Chance, denke ich. Der Vorschlag ist, einen neuen Eingang zu schaffen, mit der Behauptung, dass sich die Dinge (Bauentwicklung, Infrastruktur usw..) danach ausrichten werden.

Die Orenplatte ist ein idealer Standort. Ein Bergplateau, das am nördlichen Ende der Terrasse etwas herausspringt. Sie ist schon von weitem zu sehen, man wird also auch die neue Station von weitem erkennen. Das gibt dem Ort eine neue Bedeutung, neue Strahlkraft.

Etwas oberhalb der bestehenden Gebäude, am höchsten Punkt, soll das Gebäude stehen. Hier gibt es diesen direkten Weg nach Braunwald, eine Verbindung, die stärker werden könnte - ohne großen Aufwand. Auf alten Bildpostkarten kann man sehen, wie gut besucht die Orenplatte einst war. Einen lebendigen Ort gilt es wieder zu schaffen. 

Elsbeth Zweifel schreibt in ihrem Buch über ihre Kindheit auf dem Oren und auch über die Gefahren die der Berg mit sich bringt. In Ihren Texten erwähnt sie architektonische Elemente. Sie schreibt von den ursprünglichen Dingen, von den schützenden Elementen wie der Wand und dem Dach. 

Matthieu Gafsou zeigt Touristen genau an solchen Orten im alpinen Raum. Es geht um unsere Beziehung zur Natur und den Verlust der Feierlichkeit und Erhabenheit durch unsere Anwesenheit. Lebendige Orte, mit einer grossen Widersprüchlichkeit. Die Sehnsucht der heutigen Gesellschaft nach einer Rückkehr zur Authentizität lässt eine neue Art von Tourismus entstehen, dessen Ziel die Erkundung quasi jungfräulicher, abgeschiedener Gegenden ist. Das Projekt stellt auch ein Versuch dar, diese Wahrnehmungen zu verbinden.
 

Um es kurz zu fassen: Ein lebendiger Ort soll entstehen. Es gibt die schützende dicke Wand gegen den Berg und das grosse Dach, das sich darauf spannt. Darunter befindet sich die neue Seilbahnstation und ein Restaurant. Auf der Bergseite gibt es die Wand mit Bank im mit Blick in die Höhe.Ich kann mir gut vorstellen, dass zwischendurch ein Stein gegen die Wand donnert und die Aufmerksamkeit auf die herrschenden Kräfte richtet.

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Methodenvorschlag Weshalb die Einschränkung der Mittel? Nun, zunächst einmal sind Einschränkungen immer Möglichkeit eingespielte Routinen zu brechen und bisherige Arbeitsweisen auf den Prüfstand zu stellen. Erst wenn Material, sei es Bild- oder Baumaterial, nicht mehr frei verfüg- und verwertbar sind, sondern selbst erdacht werden müssen, wenn also die landläufige Strategie von ‚Select und Arrange‘ weniger greift, dann können wir mit Denkleistungen Fehlendes kompensieren. Wir werden erst dann, aus dem Mangel heraus erfinderisch.  

Mit diesem Strategiewechsel wollen wir sehen, ob ein persönlicherer und originärer Zugang zu finden sei. Als Architekten schaffen wir Originale. Dafür schärfen wir verortete baukulturelle Differenzen. Michael Benedikt umschreibt das in seiner Forderung ‚For an Architecture of Reality’ treffend:4  

«We do not provide houses, we have to achieve them!»

Nennt es langersehnte Ferien von der Digitalisierung. Wir wollen uns in diesem Semester tatsächlich etwas Kontemplation an der Zeichnung gönnen. Wir wollen uns Zeit nehmen, damit Hand und Kopf synchron, mit weniger Ablenkung arbeiten. Die ständige Verfügbarkeit von Materialien im weiteren Sinn macht sie zum einen austauschbar und wertlos (vgl. Walter Benjamin), zum anderen werden wir dadurch vom kritischen Denken, von unserer Umwelt getrennt und zu Konsumenten degradiert. Wir drohen unreflektiert Katalogwaren zu sampeln, Gleiches aus Gleichem zu produzieren. 

Wir möchten mit den Studierenden grundlegender über das Bauen und Denken von Architektur diskutieren. Daher hoffen wir dieses Semester auf eine stärkere Unmittelbarkeit, die uns wegen der digitalen Mittel zu entgleiten droht. Wir romantisieren dabei nicht die analogen, künstlerischen Mittel, wir erhoffen uns aber eine Sensibilisierung dahingehend, dass das Material wie der Ort und seine Beschränkungen als räsonierende Widerstände wesentlichen Bestandteil einer starken Autorenschaft darstellt.

Neben den stets strukturellen und konstruktiv gedachten Plänen sowie dem Konzeptmodell werden wir an einem grossmasstäblichen Modell arbeiten. Denken kommt von Machen. Wo kann man besser die Machart und Wirkungskraft erfahren als in einem grossen Modell. Auf Renderings werden wir für einmal verzichten. Erwünschte Mittel sind kolorierte Perspektiven, Fotografien oder Filme von Modellen. Wir werden dies im Semester noch weiter festlegen. 

Und Eugene Victor Walter beklagte bereits vor ca. 30 Jahren die Umweltverschmutzung und Bedeutungslosigkeit pointiert:5

«We are threatened today by two kinds of environmental degradation: one is pollution – a menace that we all acknowledge; the other is the loss of meaning. For the first time in human history, people are systematically building meaningless places.» 

Beschränken wir uns also auf das Baumaterial Holz, das uns Glarus Süd geradezu aufdrängt und vertrauen wir auf unserer gestalterischen Fähigkeiten aus Mangel und Einschränkung Besonderheiten schaffen zu können, dann wären wir möglicherweise in der aussichtsreichen Lage das von Walter Benjamin beklagte Dilemma aufzulösen. Das zu versuchen, darauf freuen wir uns.

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Frühlingssemester Mit Flurin Bisig Künstler Glarus, Dr. Uwe Teutsch Tragwerk, Yves Dusseiler Unterstützung bei Konstruktion und Modellen, Fridolin Walcher Alpin-Fotograf und Kenner von Braunwald mit Input und als Gastkritiker sowie Architekt Gion Caminada Gastkritiker, weitere Inputs von Benedikt Wechsler Honorakonsul und Bewohner in Braunwald, Nina Brunner und Thomas Gilgen Moderatorin und Unternehmer in Braunwald, Patric Vogel Betreiber des Märchenhotels Braunwald, Kaspar Marti Kulturexperte und Beteiligter bei Musikhotel von Peter Zumthor, Urs Marti Experte für Rutschungen und die Entwässerung Braunwald.

 

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