«Der Himmer über uns, tut manchmal so, als wären wir hier alle gleich.

Sind wir aber nicht.»

Margrit Sengebusch, Dramaturgin

Die Anna-Göldi-Stiftung übernahm im Sommer 2017 den Hänggiturm in Ennenda von der aufgelösten Hänggiturm Stiftung. Seither führt sie im Dachstock des Trockenturms das Anna-Göldi-Museum mit grossem Erfolg. Der lange Zeit ungenutzte Dachraum konnte einer sinnstiftenden Nutzung zugeführt werden. Der eindrückliche und stimmungsvolle Raum stellte sich als geradezu ideal für das Museumskonzept dar.

Skizze Haenggiture

So vorteilhaft die eindrücklichen Räumlichkeiten wirken, so nachteilig wurden sie von den Betreibern empfunden. Der Hänggiturm wurde 1993 mit einer einfachen Bretterschalung an der Fassade, sowie mit einfach verglasten Fenstern wiederaufgebaut. Der hölzerne Aufbau war bis anhin weder an der Fassade noch am Dach isoliert. Die Schalung war teils luftdurchlässig. So waren  Aussen- und Innentemperatur identisch. In den Wintermonaten, von November bis März blieb das Museum geschlossen. Nun sollte der Raum klimatisch ertüchtig werden, um die Nutzung in die Übergangsmonate auszudehnen.

Anna Goeldi Museum Aussen

Erarbeitet wurden zweierlei Konzepte. Mittels minimaler Dämmschichten auf Dach- und Fassadenhaut würde die Aussenwirkung erhalten bleiben und die Temperaturwechsel milder. Für Veranstaltungen würden katalytische Heizstrahler eingesetzt. Ansonsten bliebe der Dachraum unbeheizt. Mit dem Eingriff verlöre der Luftraum aber auch seine ganz besonderen ursprünglichen atmosphärischen Qualitäten. Der Luftraum würde mehr zu einem gedämmten Dachraum. Uns gefiel aber der unterschwellige Verweis auf das besondere Schicksal einer Magd, auf Luftwesen wie Hexen. Der dunkle Dachstock und die Ausgesetztheit verstärkten das mit Textilien arrangierte Ausstellungskonzept. Wenn auch das Museum in den kälteren Monaten nur in warme Jacken gehüllt nutzbar wäre, so stellt der Dachraum ein Unikum in der Museumslandschaft dar. Daran wollten wir weiterarbeiten. Eine Dämmung war für uns zwar eine mögliche, konventionelle aber für das Haus nicht die beste Lösung.

Schafwolle Textil

Stoffsaal

Daher gab es eine zweite Variante mit einem Raum im Raum Prinzip. Wir schlugen einen kleinen 'Tempel' aus Stoffwänden vor, die mit Lammwolle gefüllt wären. Mittels Seilwinden könnten die textilen Wände in den Dachraum gezogen werden. So wäre die Fläche darunter frei. Im geschlossenen Zustand wäre der Raum für eine Kinovorführung nutzbar und gut beheiz- bzw. belüftbar. Die Kosten dafür prognostizierten wir sehr viel tiefer als für eine umfassende Dämmung aller Aussenflächen. Wir strebten eine besondere, dennoch sparsame Lösung an.

 

Schnitt 

Als, für beide Varianten, gültige Ergänzung zeigten wir auf, wie man den Ausstellungsraum mittels einer Passarelle vom Comptoire erschliessen könnte. Mit einem Treppenhaus wären zwei Museen zu erschliessen. Sicher wäre der Zugang ein angemessenerer als heute. Die aktuelle Innentreppe führt an Wohungs- und Waschküchentüren vorbei. Nebenbei würde die Entfluchtung verbessert.  

Pasarelle Comptoire

Mit unseren, zugegebenermassen unkonventionellen Vorstellungen gingen wir für die Ansprüche der Bauherrschaft zu weit und konnten nicht überzeugen. Die Komfortansprüche wiegten schwerer. Heute ist der Hänggiturm gedämmt.

 

 

 

 

Grundriss mit PAssarelle

 

 

 

Geschichte Hinter dem Hänggiturm in Ennenda verbirgt sich eine besondere Geschichte, die mit der Erbauung im Jahre 1865 beginnt. Ursprünglich geplant wurde das Bauwerk von dem Glarner Architekten Hilarius Knobel, als kombiniertes Fabrikations- und Lüftungshängegebäude zum Trocknen von bedruckten Tüchern.

Als die Textilindustrie nach und nach aus dem Kanton verschwand, wurde auch der Hänggiturm nicht mehr benötigt und sollte Mitte der achtziger Jahre einem Ausbauprojekt der Grundbesitzer (Forbo Alpina) weichen. Jedoch setzte sich der Glarner Heimatschutz für die Rettung ein und erklärte das Bauwerk als schützenswürdig.

Nach dieser Intervention des Heimatschutzes und Gründung einer Stiftung zur Erhaltung des Hänggiturmes wurde der Holzteil im Jahre 1985 sorgfältig abgetragen. 1992 wurde das Bauwerk durch Beiträge vom Heimatschutz sowie privaten Sponsoren auf dem zur Verfügung gestellten Industrieensemble des Unternehmens Daniell Jenni & Co. wieder aufgebaut.

Der neue Standort brachte zugleich auch eine neue Funktion mit sich. Der Hänggiturm beherbergte von nun an das Museum für die Schweizer Ingenieurbaukunst welches 14 Jahre lang, bis 2008, dort den grosszügigen Ausstellungsraum nutze.

Schliesslich fand das Anna Göld Museum, welches sich bis 2015 in Mollis befand, im Hänggiturm ein neues Zuhause. Im Sommer 2016 fand die feierliche Eröffnung des Museums im neuen Standort Ennenda statt, wo die Anna Göldi Stiftung seither nicht nur das Museum leitet, sondern auch Veranstaltungen sowie Vortragsabende organisiert. 

Haenggiturm Schwanden

 

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Studie und Bauprojekt von Lando Rossmaier Architekten mit BWS Bauphysik AG, Umgesetzt wurde die Variante 'Dämmung', das Bewilligungsverfahren und die Ausführung dazu traten wir einvernehmlich ab

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